VAEGABOND - Bei den Mönchen im Himalaya – Radreise durch Ladakh & Kashmir

Was wir gerade erleben ist einfach unbeschreiblich! Mit jedem neuen Kapitel haben wir das Gefühl, eine noch extremere Etappe zurück gelegt zu haben, als davor. Vielleicht liegt das auch ein wenig an der besonderen Route, die wir da für unsere Fahrrad Weltreise durch den Norden Indiens zusammengeschneidert haben. (Download all unserer GPX-Daten hier möglich)
Bevor wir Himachal Pradesh verließen, hatten wir die einmalige Gelegenheit in Keylong bei einer buddhistischen Hochzeit dabei zu sein. Dann ging es auch schon nach Ladakh, wo uns viel Offroad, teilweise überflutete Straßen, ein eingeschneites Zelt, das majestätische Himalaya Gebirge und ein buddhistisches Kloster erwarteten.
Hat uns das Spiti Valley schon beeindruckt, war das Tal Zanskar in Ladakh das Sahnehäubchen auf der Torte. Ladakh gehört zu den höchsten bewohnten Regionen der Welt. Das Hochplateau liegt im Durchschnitt auf einer Höhe von über 3.000m. Okay, wir müssen schon zugeben, die vielen Offroad Passagen mit den teilweise überschwemmten Straßen bzw. Pfaden, waren schon nicht ganz ohne. Wir haben aufgehört zu zählen, so oft mussten wir die Hosen hochkrempeln und unsere Rädern durch wadenhohes, eisig kaltes Gletscherwasser schieben. Immerhin ging es auch zwischendrin ordentlich bergauf und über Pässe jenseits der 5.000m mit Regen und Schnee. Und ja, seien wir ehrlich, es kamen auch mal Gedanken, wie „ich hab Hunger, mir ist kalt, ich hab keinen Bock mehr auf Berge. Ich will am Strand liegen mit einer Kokosnuss in der Hand…“ Denn irgendwann waren wir an dem Punkt, wo wir einfach keine Geröllstraße mehr sehen wollten und unsere 60 bis 75kg schweren Fahrräder keinen Meter mehr bergauf bewegen wollten. Aber rückblickend hat es sich mehr als gelohnt! Das tut es eigentlich immer, egal wie schlimm die Strecke war. Bisher haben wir immer sehr viel positives aus allem gezogen!
Nach ein paar anstrengenden Wochen erreichten wir endlich wieder Zivilisation. In Padum wollten wir uns ein gemütliches Plätzchen für unser Zelt suchen und dort erstmal ein paar Tage alle Viere von uns strecken und einfach mal nichts tun. Hatten wir uns verdient. Es fing an zu regnen und wir wollten möglichst schnell das Zelt aufbauen. Ein schönes Plätzchen auf einer Wiese hatten wir schnell gefunden, genauso schnell wurden wir aber auch wieder von dort vertrieben. Fand der mürrisch dreinblickende Besitzer nicht so toll. Resigniert zogen wir weiter auf die nächste Wiese. Dort entdeckte man uns auch recht schnell, aber uns wurde lächelnd zugewunken, was wir prompt als ein „stört keinen“ auffassten. Klatschnass verschwanden wir dann in unser Zelt und fielen erschöpft in den Schlaf. Wie gut, wenn man ein Zelt hat, wenn es regnet. Kennt ihr das, wenn es draußen dunkel wird und der Regen sanft an die Fensterscheibe trommelt? Und man sich in eine Decke kuschelt und sich denkt „Gott sei Dank muss ich nicht da raus, bei dem Sauwetter“. Unsanft wurden wir geweckt, fühlte sich irgendwie feucht an. Zelt ist undicht. Wunderbar. Dani´s neue Aufgabe war nun alle paar Stunden zu überprüfen, wo es reinlief und den Schaden zu beheben. Der zweite Tag. Es regnete weiter. Der dritte Tag. Es regnete immer noch. Der vierte Tag. Wir freuten uns, der Regen hatte aufgehört. Jetzt schneite es. Die Freude war dann doch nur noch halb so groß.
Wie wir ja zu Beginn gesagt haben, es hat sich rückblickend gelohnt. Denn auf den Regen und Schnee folgte irgendwann Sonnenschein und wir machten uns im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker. Auch diesmal konnten wir die einzigartige Schönheit des Himalaya Hochgebirge in uns aufsaugen und konnten mit eigenen Augen sehen, wie dort die Menschen leben. In Pakistan haben wir unsere ersten Yaks gesehen (Zoo zählt nicht), aber hier gab es auch Yaks, die wirklich furchteinflößend groß waren. Was uns noch mehr beeindruckt hat war das Kloster in Phuktar, welches aus dem 12. Jahrhundert stammt. Dort leben Mönche vom Kindesalter bis zum Greis. Sie leben sehr abgeschottet und führen ein asketisches Leben mit täglichen Ritualen und Gebeten. Das Kloster selbst ist in einen Felsen eingebaut und erreicht man nur über einen schmalen Pfad zu Fuß oder mit dem Maultier, der sich durch die Berge windet. Kurz vor dem Ende überquert man eine stabile Brücke, die erst 2 Monate vorher fertig gestellt wurde. Das alte Pendant hängt noch daneben und sieht aus wie als hätte man ein paar Mikado Stäbchen mit getrocknetem Farn zusammengebunden. Gruselig, aber die Aussicht auch vom Kloster ist wirklich spektakulär.
Wir gaben ordentlich Gas, denn Dani´s 4ten Geburtstag auf unserer Fahrrad Weltreise wollten wir mit einem Dach über dem Kopf feiern und darauf anstoßen. Im muslimisch geprägten Norden Indiens ein nicht ganz so einfaches Vorhaben. Also das mit dem Anstoßen. Aber kurz vor knapp haben wir es tatsächlich nach Srinagar in Kaschmir geschafft und tatsächlich einen Wine Shop gefunden. Zwar mit total überteuerten Preisen, aber wir beschlossen, dass es zum Geburtstag und dieser Wahnsinns Etappe einfach sein musste. Das mit dem Dach über dem Kopf hat auch geklappt. Ein sehr netter Kashmiri hat uns eingeladen, für ein paar Tage in einer Unterkunft zu schlafen. Das war wohl das schönste Geschenk von allen. Haben wir ein Bett und eine richtige Toilette vermisst, die Dusche erst! Leider konnten wir uns noch nicht wirklich erholen. Dani hat gerade mit Fieber und einer schweren Mandelentzündung zu kämpfen und Melli mit einer Magenverstimmung. Und dann wären da noch die vielen Videos, die geschnitten werden wollen, Bilder dieser grandiosen Erlebnisse müssen gesichtet, aussortiert und bearbeitetet werden, unsere Social Media Kanäle gepflegt werden, Emails beantwortet werden und und und. Die To Do Liste ist lange, vor allem, wenn man für so lange Zeit kein Internet und Strom für den Laptop hat. Aber es macht uns ja auch Spaß und ist etwas ganz Besonderes für uns, diese einzigartigen Momente mit euch allen zu teilen! ;)
Bald sind wir wieder in Delhi und dann haben wir schon das nächste großartige Abenteuer geplant! Es geht in den Süden Indiens, wo wir nicht nur Rad fahren werden. Was genau wir alles vorhaben, verraten wir euch mit dem nächsten Reise Update!
Liebe Grüße aus Kaschmir im Norden Indiens
Melli & Dani
Neugierig geworden? Mehr Infos über unsere Fahrrad Weltreise von Deutschland nach Japan findest du auf unserer Webseite www.vaegabond.com. Uns gibt es auch auf Facebook, Instagram und YouTube.