Quit and Go - Bandscheibenvorfall auf Langzeitradreise- wie ging es weiter?

Die Diagnose war ein Schock. Fabians Rückenschmerzen also von sehr ernster Ursache und wir standen routentechnisch kurz vor der Überquerung unseres ersten Passes- der Pyrenäen.

 

Wir ließen den Kopf nicht hängen, uns nicht entmutigen und wollten die Reise nicht abbrechen. Fabian sprach mit Ärzten und bekam grünes Licht weiterzufahren. Langsam und mit Bedacht, am besten keine Erschütterungen und auf keinen Fall schweres Heben. Zum Glück sind wir ein Team und Franzi entlastete Fabian beim schweren Tragen der Fahrradtaschen und beim Aufbau des Zeltes. 

Wir fuhren also weiter, nun in unserem 6. Land, Spanien und erreichten das letzte Dorf Irurita vor dem Pass, schlugen unser Zelt für die Nacht auf und bereiteten uns mental auf die Pyrenäenüberquerung vor. Wir hatten bei 12km Aufstieg knapp 1000 Höhenmeter vor uns. Von einem Freund, der auch mit dem Rad die Welt bereist und schon 15.000km geradelt und 15 Länder durchradelt hat, haben wir die Info bekommen, dass es hart werden würde. Er habe sein Rad vier Stunden lang den Anstieg hochgeschoben und erwähnte uns gegenüben, dass es auch einen Bus gebe. Das würde uns jedoch im Traum nicht einfallen. 

Lange Rede kurzer Sinn, wir schafften es! Wir schafften es sogar so gut, dass niemand von uns auch nur einen Meter schob! Es dauerte fünf Stunden bis wir oben am Gipfel waren, es kostete uns enorme Muskelkraft und wir schwitzten wie alte Männer bei einem Saunaaufguss der finnischen Art- aber es war alle Mühe wert. Mehr noch- wir hatten richtig Spaß dabei! Es war wunderbar seinen Körper so selbstwirksam zu erleben. Oben angekommen, konnten wir es kaum glauben, dass uns unser erster Pass so gut gelungen ist. Wir belohnten uns mit einem Wildcampingplatz der besonderen Art- auf 1000 Meter Höhe mitten in den Pyrenäen schlugen wir unser Zelt für die Nacht auf. Eine atemberaubende Aussicht, um uns herum niemand, nur wilde Pferde, Kühe und Füchse. Füchse? Ja wir sollten drei von ihnen in der Nacht zu sehen bekommen. Nachdem wir uns auf unserem Gaskocher ein wohlverdientes Abendessen gekocht hatten, war nicht mehr genug Wasser übrig, um das die Töpfe abzuwaschen, da wir die Menge Wasser, die wir uns auf den Pass mit hochgebracht hatten, zum Trinken benötigten. Wir stellten die Töpfe daher ein paar Meter von unserem Zelt entfernt. In der Nacht dann plötzlich ein Poltern und Klirren. Wir waren sofort wach. Mit unseren Kopflampen lugten wir aus dem Zelt. Drei Augenpaare guckten uns an. Ein großer Fuchs lief sofort wieder in die Nacht hinaus, ein anderer zögerte erst, ließ dann bei lautem Rufen von unserem Geschirr ab und lief dem ersten hinterher. Der letzte aber, der Kleinste, ließ sich vom Strahl unserer Lampen, Klatschen und Rufen nicht davon abbringen einen Topf mit seinen kleinen Zähnchen zu schnappen und damit in die andere Richtung über die satten grünen Grashügel in der Dunkelheit zu verschwinden. Etwas belustigt dachten wir, dass wir den Verlust wohl verkraften würden. Glücklicherweise sahen wir am nächsten Morgen bei Tageslicht, dass der kleine Fuchs den Topf auf der Wiese unter uns hat liegen lassen. Der Wind hatte zugenommen während der Nacht, und unter brausenden Briesen von überall her, bauten wir unser Zelt ab, packten unsere Räder und machten uns an die Abfahrt ins Tal bis wir am Dorf Eugi ankamen. Dort hatte Fabian erst mal einen Platten. Gut, dass dies nicht beim Anstieg passiert ist. 

Zur Radreisedoku von der Pyrenäenüberquerung geht’s hier: https://youtu.be/BCHSm0myofo

Wir erreichten die Stadt Pamplona und kamen so auf den Pilgerweg, den so viele Menschen mit dem Ziel Santiago de Compostela beginnen. Der Eurovelo 3 verläuft parallel zum Jakobsweg, kreuzt sich mit diesem immer mal wieder, an einigen Stellen verschmelzen die Wege miteinander. So war es kaum verwunderlich, dass wir uns von der besonderen Stimmung und Atmosphäre schnell anstecken ließen und nach kurzer Zeit auch für uns Santiago de Compostela zum nächsten Zwischenziel wurde. Wir kamen in den Genuss der vielen kleinen Pilgerherbergen entlang des Weges, in denen man für durchschnittlich 7-12€ ein Bett in einem Schlafsaal bekommt. Einen Credencial, auch genannt Pilgerpass, ließen wir uns aushändigen und sammelten die berühmten Stempel. „Buen Camino“ ist wohl der häufigste Satz dieser Strecke, man bekommt ihn unweigerlich täglich (zu) oft zu hören. Aber es stimmt, am Tag wunderschöne einsame Gegenden und kleine, alte Dörfer, am Abend viele kommunikative Menschen, jeder eine andere Geschichte, die meisten wollen sie erzählen. Ein gemeinsames großes Ziel, Santiago de Compostela, für die meisten ist die Reise dann vorbei, der Weg zu Ende. Für uns noch lange nicht. Es geht weiter nach Portugal. Diesen Weg des Nachdenkens, des Erkennens, des gemeinsamen Gehens oder Fahrens haben wir aber ganz besonders genossen und werden viele Begegnungen und die besondere Stimmung, Freundlichkeit und Offenheit des Jakobswegs nie vergessen. 

Die letzten Tage auf dem Camino de Frances hatten es ganz schön in sich, täglich kämpften wir uns 700 bis über 1000 Höhenmeter und 50 bis 80km hoch und weit. Wir erreichten mit „Puerto de Foncebadon“ auf 1504m den bisher höchsten Punkt unserer Reise. Der Gebirgszug verlangte uns einiges ab, aber wir waren gut in Form. Wir haben die Zeit in Nordspanien auf dem Jakobsweg sehr genossen, obwohl so mancher Aufstieg die Pyrenäen wie einen kleinen Hügel hat erscheinen lassen. 

Unsere Weiterfahrt in Land Nummer 7, Portugal verwarf unsere letzten Zweifel, sollten überhaupt noch welche vorhanden gewesen sein, dass wir wahrlich eine gute und richtige Entscheidung getroffen hatten. Die Entscheidung uns frei zu machen von allem Unnötigen und Überbewerteten, um die wahre Schönheit des Lebens zu erkennen und zu erleben. Dieses Land ist eine Perle am Atlantik, meterhohe raue, tosende Wellen an breiten, langen, für jedermann zugänglichen Stränden, rote Klippen, verborgene Höhlen. Die Küste von Portugal hat dies alles und wir waren jeden Tag und jede Nacht mitten drin und zerrten von dieser atemberaubenden Natur. Das Brechen der Wellen wiegte uns in unserem Zelt in den Schlaf und die ersten Sonnenstrahlen weckten uns wieder. Portugal ist ein Paradies für Freiheitliebende und Alternativlebende in ihren Vans und Campern oder eben auf ihren Fahrrädern und in ihren Zelten. So verging unsere Strecke entlang Portugals Küste wie im Flug, Weihnachten verbrachten wir an der Algarve mit neuen Freunden, die wir auf unserem Weg kennengelernt haben. 

Ein aufregendes Jahr geht vorüber, vielleicht das Aufregendste was wir je erlebt haben. Gerne darf es so weiter gehen. 

Auch weiter, geht leider die Pandemie und so mussten wir mal wieder Pläne ändern und Routen umwerfen. So können wir nicht, wie sehnlichst von uns erwünscht durch das Tor von Afrika schippern und über Gibraltar nach Marokko einreisen. Denn dahin ist alles dicht, keine Fähren, keine Flüge, keine guten Beziehungen momentan zu Deutschland. Doch wir sind froh überhaupt weiterfahren zu können, dann eben über Südspanien durch Andalusien die Sierra Nevada als Highlight, bis nach Barcelona. Von dort wollen wir mit der Fähre nach Sardinien, weiter nach Sizilien wieder auf das Festland über Messina nach Bari, wo uns erneut eine Fähre in den Balkan bringt. Durch Albanien nach Griechenland und dann in die Türkei. 

So eine Reise verändert nicht nur den Körper, dieser wird natürlich muskulöser, athletischer, aber viel mehr verändert sich das Mindset, es ist so wichtig sich selbst als Wirksam zu erleben. Wir beide haben uns bei der Idee zu dieser Reise und auch während der Planung nie als die Personen gesehen, die mal eben mit dem Fahrrad eine Weltreise machen. Zugegeben, auch wir konnten gerade uns damit noch nicht so recht identifizieren, waren wir doch schon als Kinder eher die Sorte, die den Bundesjugendspielen mit großem Graus entgegengesehen haben. Mit einem Mikroblick aber konnten wir uns durchaus vorstellen jeden Tag ein bisschen Rad zu fahren, ein paar Kilometer täglich, mit auch mal einem Pausentag dazwischen. Kleine aber stetige Schritte fügen sich dann ganz von alleine zusammen zu einem großen Ganzen und plötzlich steht man schon in der Mitte. Absichtlich schreiben wir nicht „am Ziel“ denn der Weg ist das Ziel. Dieses Idiom sollte man tatsächlich einmal auf sich wirken lassen und es nicht so schnell wie sonst als Floskel abtun. Was heißt das also: wir sind aufgebrochen um eine Weltreise mit dem Fahrrad zu unternehmen. Wir haben hochgestapelt. Wir haben kein Ziel, sondern die Reise selber ist das Ziel. Die tausende von Kilometern auf dem Fahrrad, die vielen Länder und die vergangenen Monate kann uns niemand mehr nehmen. Die Zeit wirkt auf uns als sei sie verflogen, als hätte sie die Länge eines Kinofilms gehabt, der sich in Windeseile abgespult hätte. Dann wieder denken wir an unsere ersten Kilometer, die ersten Tage und die Ereignisse kommen uns vor, als müssten sie sich vor Jahren ereignet haben. In den bisherigen Monaten unserer Reise haben wir tagtäglich so viel erlebt, wie zuvor in etlichen Jahren nicht. 

Dies kannst auch Du alles mit- und nacherleben auf unserem Youtubekanal gibt es alle Radreiseepisoden  vom schwierigen Start in Deutschland, über den Abstecher nach Tschechien bis zur westlichen Route kannst du alles nachverflogen.
Wir nehmen dich virtuell mit auf unser Abenteuer. Ungeschönt und ungefiltert, zeigen wir, wie wir unser neues Leben erfahren. Auf welche Schwierigkeiten wir stoßen, wie wir manche Herausforderungen meistern, wie wir vor Freude verrückt lachen oder vor Überforderung weinen. 
Sei auch du mit dabei und erlebe gemeinsam mit uns Abenteuer auf der ganzen Welt. 
Vielleicht spürst du ihn aber auch- den Drang in dein ganz eigenes Abenteuer, den Zog nach draußen, den Ruf der Freiheit.
Worauf wartest du? Wenn wir es schaffen, dann schafft du es auch! Denn- weltreisen kann jeder!
 

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