Rollende Quarantäne als Weltreise-Training

Nach einer Probetour in die Wüste Marokkos im Winter 2019/20 blieb unsere geplante Weltreise im März 2020 jäh im Corona-Lockdown stecken. Von Berlin schafften wir es gerade noch bis auf die Schwäbische Alb, wo wir für ungeahnte 69 Tage unser gerade erst begonnenes mobiles Leben in stationäre Quarantäne auf knapp 10 Quadratmetern verwandelten.

Anstatt im wuseligen Messegeschehen unser Projekt zu lancieren, beschäftigten wir uns im Mehrstettener Homeoffice mit der Maskierung der Menschheit und der Demaskierung der Schwachstellen in unseren Systemen. Wir hielten inne, stellten unsere Pläne auf den Prüfstand und trafen  Entscheidungen. Diese führten uns im September 2020 in die menschenleere Innenstadt von Paris, wo der Eiffelturm den Start einer neuen Reiseetappe markiert. Vor uns liegen Frankreich, Spanien, Portugal und nicht zuletzt Afrika als schwammiges Ziel in einer ungewissen Zukunft, geprägt von der vagen Gewissheit einer zweiten Welle.

Von Paris über die Pyrenäen

Mit Plan A, B, C gerüstet, reisen wir über 1200 km von Paris Richtung Spanien. Ich bis über die Pyrenäen mit dem neuen Flagschiff von HNF Nicolai, dem XF3 Adventure, Silvio mit unserem Fernreisemobil „Elefantino“. Ein prima Reise-Setting wie wir beide finden. Oft fahren wir unterschiedliche Routen, vereinbaren einen Treffpunkt für abends, oft auch für mittags, freuen uns aufeinander und haben uns jeden Tag eine Menge zu erzählen.

In der Auvergne mitten in Frankreich schlägt das Wetter um. Sonnigen 35° Grad folgen jäh Sturm und (Schnee-)Regen. Unserer Hightech-Flotte kann das nichts anhaben. Fleisch und Blut dagegen atmen auf als wir ein Sonnenfenster abpassen, um die Pyrenäen zu überqueren.

Auf Pilgerschaft am Jakobsweg - nur anders

In Spanien durchqueren wir zunächst das Baskenland mit seiner uralten, traditionell nicht-spanischen Identität. Fasziniert von der abwechslungsreichen, bergigen Landschaft Kantabriens folgen wir in Asturen der wild-romantischen Küstenlandschaft bis nach Galicien. Hier, am Leuchtturm von Estaca de Bares, dem nördlichsten Punkt der iberischen Halbinsel, steige ich wieder auf’s Rad und freue mich auf Bewegung! Um saisonal etwas aufzuholen, haben wir den Norden Spaniens beide mit Elefantino durchquert. Ich ziehe südwestlich, folge dem Jakobsweg auf den letzten Kilometern bis nach Santiago de Compostela. Hier endet der berühmte Pilgerweg vor der majestätischen Kathedrale im Herzen der zum UNESCO-Weltkulturerbe gekürten Altstadt. Junge Leute sind von weit her gewandert, meditieren, oder sitzen einfach da und lassen die imposante Kulisse und magische Stimmung auf sich wirken. So auch wir.

Achterbahn durch Portugal

Damit ist nicht die Route gemeint. Die geht geradeaus, Richtung Süden. Zunächst. Es sind vielmehr die Ereignisse, die unsere Reise durch dieses faszinierend vielseitige Land zu einem Wechselbad der Gefühle machen.

Wir passieren die spanisch-portugiesische Grenze: Keine Fragen, keine Formulare, kein Mensch. Obwohl sich inzwischen, Mitte Oktober, die pandemische Lage europaweit wieder verschärft. Urige Bergdörfer im Norden, die wie Geisterstädte wirken, nur ganz vereinzelt radle ich an Leuten vorbei, die mich ansehen als wäre ich ein Alien.Totenstille in sonst belebten Ortschaften, haarsträubende Gebote aber auch unerwartete Sonderrechte, die wir lernen in unsere Reiseplanung zu integrieren. Jeden Tag neu.

Dabei spielt Portugal seine landschaftlichen Reize ganz und gar aus, in viraler Einsamkeit wirken sie um so intensiver, mal milder, mal wilder. Der Norden beeindruckt uns mit seinen terrassierten Hängen und üppiger Vegetation. Flussläufe und zahlreiche Stauseen wechseln sich ab mit Gebirgszügen, teils lieblich, teils schroff. In fruchtbarer Natur finden sich fernab touristischer Hotspots überall traumhafte Radrouten.

E-14 Sternstunde in der Serra da Estrela

Ein Highlight: der Gebirgszug der Serra da Estrela. Hier testen wir zum ersten Mal ein weiteres Reise-Setting: Elefantino bleibt stehen und wir gehen zusammen auf Mountainbike-Tour.

Das XF3 Adventure kommt hier nicht nur als Reiserad sondern auch als vollblut E-Mountainbike zum Zuge. Spielend bewegen wir uns zwischen 1000 und 2000 Metern Höhe, verlassen befestigte Strassen wo möglich und brettern auf schlottrigen Gebirgstals über Steine, Wurzeln, Gestrüpp mit Leichtigkeit selbst bei hoher Geschwindigkeit hinweg. Seine ausgezeichneten Offroad-Qualitäten verdankt das XF3 Adventure nicht nur 160 mm Federweg. Die Komponenten des bewährten Trios aus der elektronischen Rohloff Speedhub E-14, Bosch Antrieb und Gates Riemen sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Die 14 Gänge der Nabenschaltung decken die Bandbreite von steilen Bergfahrten mit schwierigen Passagen bis zu Geschwindigkeiten von ca. 38 km/h beim XF3 in vollem Umfang ab. Auch ein S-Pedelec lässt sich mit der Rohloff Speedhub gut bis an seine Unterstützungsgrenze von 45 km/h ausfahren wenn man die eigene Trittfrequenz einen Gang „hochschaltet“.

Von der Kettenschaltung kommend, empfand ich die Nabenschaltung am Berg zunächst gewöhnungsbedürftig. Bleibt man am Hang doch einmal hängen, spielt die Nabe einen klaren Vorteil aus: Man kann via Daumenschalter komfortabel im Stand herunterschalten und dann problemlos am Berg anfahren. Diesen Benefit möchte ich vor allem am Berg mit Gepäck nicht mehr missen.

Auf der Suche nach Leben

Nach mehreren Rundtouren in der Serra Estrela verlassen wir die Regionen Norte und Centro und kommen in die flacheren Gefilde von Alentejo. Korkeichen, Pinien und Eukalyptus säumen unseren Weg durch die sandige, ländliche Einsamkeit. Ein weitläufiger Stausee mutet wie eine Savanne an, wir wähnen uns in Afrika – unser eigentliches Ziel, was leider wegen geschlossener Grenzen in immer weitere Ferne rückt. Hier in Alentejo überschreiten wir eine Klima-Grenze. Südlich dieser unsichtbaren Linie ist es deutlich trockener, wärmer und ganzjahresgrün. Endlich lassen wir den Winter, der uns seit der Mitte Frankreichs im Nacken saß, hinter uns.

Nach wochenlanger Abgeschiedenheit in rollender Quarantäne lassen wir uns von der Sehnsucht nach Leben leiten. Auf den fast schon vergessenen Geschmack eines Cappuccinos an der Piazza bringt uns die historische Altstadt von Evora. Menschen! Leben! Offene Läden und Cafés! Was für ein krasser Kontrast zur bisher gespenstischen Leere. Was für ein Genuss! Prompt endet in Evora unser geradliniger Reiseflow …

Wir biegen 90 Grad gen Westen ab zu einem Abstecher in die Stadt der sieben Hügel – Lissabon. Eine lohnenswerte Entscheidung? Absolut ja! Selbst im Corona-Ausnahmezustand. Bis sie uns zum Verhängnis wird … Wie es nach Lissabon weitergeht, erfahrt ihr in unserem Blog auf http://www.etraction-thetrip.com
Nicolai XF3 Adventure E-Bike im 3000 Kilometer Feldtest
​​​​​​​https://www.etraction-thetrip.com/post/xf3-adventure-von-hnf-nicolai-im-3000-km-feldtest ​​​​​​​

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