Dorothea Fleck - 177.000km - 15 Jahre Rohloff

Eine kleine Zusammenstellung der wichtigsten Touren von :


  • Sechs Monate Australien und Neuseeland: November 2003 - April 2004, ~ 14.000 Kilometer
  • Erste Weltreise: Februar 2008 - Juli 2010, 48.028 Kilometer
  • Zweite Weltreis: Februar 2012 - Mai 2014, 61.140 Kilometer
  • Afrika Umrundung: Dezember 2015 - Januar 2018, 43.628 Kilometer 

und dazwischen viele kleinere Touren, insgesamt mehr als 177.000 Kilometer

Mehr darüber auf meiner Homepage: www.dorothee-fleck.com

Hier ein kleiner Bericht über die letzte Reise:

Mit dem Fahrrad und Rohloff rund um Afrika

„Das geht doch gar nicht“ bis „Das ist doch purer Selbstmord“. 

Bei vielen löste mein Plan pures Entsetzen aus. Ich wusste auch nicht, ob es geht, aber wenigstens versuchen wollte ich es.

Am 14. Dezember 2017 ging es endlich los. Zum “Warmradeln” bin ich ganz geruhsam die schönen Radwege am Doubs und Rhone bis ans Mittelmeer gefahren. Der Küste entlang ging es nach Spanien und mit der Fähre nach Marokko. 

Entlang der Westküste nach Südafrika

Und jetzt? Einfach mal losradeln. 

Der Anfang war noch relativ harmlos: Marokko, Mauretanien, Senegal. Außer dass mir in Marokko ein Reisebus über mein Vorderrad gefahren ist. Zum Glück konnte ich den Schaden vor Ort notdürftig ersetzen. 

Nach Mali wollten sie mich zuerst Mangels Visum nicht hinein lassen. Also wieder 900 Kilometer zurück nach Dakar. 

Wegen der Hitze blieb ich an der Küste. In Guinea musste ich umdisponieren und doch nach Mali, weil die Grenzen entlang der Küste wegen Ebola noch geschlossen waren. Diesmal habe ich mir aber wohlweislich vorher ein Visum besorgt. 

Über Burkina Faso fuhr ich nach Ghana und zurück ans Meer. Nachdem ich dieses nach 800 Kilometer im Gegenwind erreicht hatte, der Wind kommt meistens vom Meer, blieb ich an der Küste. Deswegen waren die Wege durch die schmalen Länder Togo und Benin kurz und harmlos. Aber dann: Nigeria. Warum sind die unangenehmen Länder immer am größten, wo man dann richtig viel Strecke zurück legen muss?

An der Grenze wollte mir der Beamte mein Drei-Monatsvisum auf sieben Tage kürzen. Ich wollte wirklich nicht lange in dem Land bleiben, wo im Norden Boko-Haram tobte und im Nigerdelta Anschläge auf die Ölplattformen waren. Aber dass sieben Tage nicht reichten, war mir klar. Ich bekam schlussendlich 28 Tage. Obwohl es für mich nicht gefährlich wurde, ist Nigeria eines der einzigen Länder, die ich nicht als Reiseziel empfehle. 

Danach kamen wieder eher unproblematische Länder, Kamerun und Gabun. In Kamerun fand ich Fahrradmechaniker, mit deren Hilfe ich mein Rohloff Ritzel austauschen konnte. Dank Rohloff hatte ich nicht nur ein Ersatzritzel, sondern auch den Abzieher dabei. Mithilfe  des Rohloff Video auf YouTube war alles ruckzuck erledigt. 

Auch Congo Brazzaville war mit weitgehend guten, neuen Straßen problemlos. Durch Kongo Kinshasa hatte ich mir die kürzeste Strecke gewählt, von Kinshasa nach Angola, das waren etwa 240 Kilometer. Am Anfang war es noch gut geteert, danach konnte man kaum noch von Straße sprechen.Trotz der Armut habe ich auch hier sehr nette und gastfreundliche Leute kennengelernt. 

In Angola bin ich nach Osten, Sambia abgebogen. Das war keine gute Idee. Diese Gegend ist total untouristisch. Da wird nichts investiert, vor allem nicht in Straßen. Die Odyssee durch den Sand begann. Dazu kamen entzündete Wunden an den Beinen, die mein ganzes Wohlbefinden stark beeinträchtigten. Es lief nichts mehr. 

Dann ging es abenteuerlich mit teilweise sehr alten Lastwagen weiter. 

Auch der nordwestliche Teil Sambias ist nicht sehr stark entwickelt. Glücklich hatte ich Anfang Oktober Lusaka, die Hauptstadt Sambias, erreicht. Ich war richtig froh, dass ich wegen meines Buches für vier Wochen nach Deutschland zurück flog. Dort konnten mein Fahrrad und ich wieder generalüberholt werden. 

Nach Lusaka wurde es richtig touristisch und viel einfacher, ein ganz anderes Afrika. 

Damit es aber trotzdem noch abenteuerlich blieb, wurde ich jetzt mit wilden Tieren konfrontiert. Das erste Mal kreuzten Elefanten in Simbabwe meinen Weg. 

Mit dem Fahrrad kam ich nicht in Gebiete, wo die meisten Tiere waren. Darum habe ich in Botswana meinen treuen Begleiter für zwei Tage gegen eine Mokoro eingetauscht. Mit diesem Einbaum ging es in das Okawango-Delta. 

Leider war es nicht die richtige Jahreszeit. Ich sah nicht allzu viele Tiere, vor allem keinen Löwen. Das Übernachten im Zelt auf freier Wildbahn hatte aber schon etwas. Mein Guide musste immer schauen, dass das Feuer nicht ausging. Es soll ja die Tiere fern halten. 

Viel mehr Tiere sah ich in Namibia. Es war als ob ich durch eine Allee von Giraffen fahren würde. Eines abends haben Elefanten den Campinplatz in Beschlag genommen. Meine ganze Ausrüstung und ich wurden vom Ranger in Sicherheit gebracht. 

In Südafrika waren die wilden Tiere wieder hinter Zäunen. Die Spannungen zwischen Schwarz und Weiß sind so groß, dass auch hier ein gewisser Nervenkitzel, zumindest in so manchen Regionen, noch da war. 

Am Cape Aghulas hatte ich den südlichsten Punkt des Kontinents erreicht. Mir blieb nichts anderes übrig, als umzudrehen. 

Entlang der Ostküste zurück

Das kleine Königreich Lesotho ist etwas für Leute, die hoch hinaus wollen. Mit den hohen Bergen, ein Pass jagt den anderen, ist es eine wahre Herausforderung. 

Nach einen kurzen Zwischenstück in Südafrika kam das nächste kleine Königreich: Swaziland. Im Vergleich zu Lesotho war es eher hügelig. Mit den großen Plantagen und Game-Parks kam es mir eher wie eine weitere Provinz Südafrikas vor. 

Dann die große Überraschung Mosambik. Das Land hatte gerade seine Kämpfe mit der Regierungsopposition hinter sich.  Als ich im Mai 2017 dort war, war es nicht nur unproblematisch, sondern auch sehr sicher. Neben Sansibar sah ich hier die besten Strände und wie überall in Afrika, nette hilfsbereite Leute. 

Malawi war seit 30 Jahren schon mein Traumland, was sich bestätigt hat. Hier machte ich für drei Wochen Pause und konnte erholt weiter nach Tansania. Ein Land, das wieder touristisch erschlossen ist, wenigstens große Gebiete um Kilimanjaro und Serengeti. Sansibar natürlich auch, aber das kann sich heute kaum mehr jemand mehr leisten. 

Ein Schlenker ins Landesinnere Ruanda und Uganda. Ruanda, eines der dicht besiedelsten Länder. Wegen den steilen Berge können die Kinder kilometerweit hinter Dir her rennen und “Mzungu, Mzunge, give money” (“Weißer, gib Geld”) rufen. 

Uganda war wieder wesentlich ruhiger. Nicht einmal Gorillas haben mich belästigt. 

Kenia ist wieder bekannter, touristischer, einfacher zu reisen. Fast jeder versteht hier Englisch. Vor 30 Jahren war ich schon einmal hier und habe mich sehr gefreut, einen Campingplatz fast genau so wiederzufinden. In diesem sehr westlich orientierten Land gibt es wieder schöne Möglichkeiten für eine längere Pause. 

Danach kam der Alptraum für Fahrradfahrer: Äthiopien. Nach Ruanda kamen mir die steinewerfende Kinder gar nicht mehr so schlimm vor. Sie waren wenigstens nicht ständig um mich herum. Ich hatte noch genug Zeit die schöne Landschaft zu genießen. Auch von den Temperaturen eignet sich das Hochland Äthiopiens sehr zum Radfahren. 

Danach ging es wieder in die Niederungen, in die Wüste und in einen islamischen Staat, in dem die Scharia herrscht. Für mich ist es äußerst unangenehm, wenn es außer mir weit und breit keine anderen Frauen gibt. Und wenn mal eine auftaucht, sind Haare und Körper komplett bedeckt. 

Dazu kam noch ein starker Gegenwind und dass ich nur ein 15-Tages-Visum erhalten hatte. Grund genug, wieder etwas zu beschummeln und ab und zu mit einem Lastwagen oder Minibus weiter zu fahren. 

Ägypten, das letzte afrikanische Land, wartete wieder mit einer anderen Neuigkeit auf: Fahren mit Polizeieskorte. Das ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Nur ab und zu konnte ich dem entrinnen. In Kairo, wo ich sie gebraucht hätte, war sie nicht mehr da. 

Von dort ging es mit dem Flugzeug nach Athen und dann über Italien und Frankreich langsam zurück nach Deutschland. 

Nach 33 afrikanischen Ländern, 43.628 Kilometern, zwei Jahren und zwei Wochen war ich  wohlbehalten zurück. 

Soweit in aller Kürze meine fantastische Reise. Vieles war wesentlich einfacher als vermutet, zum Beispiel die Grenzübertritte, einiges schwieriger, zum Bespiel die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. 

Insgesamt war es eine einmalige Reise, sehr lohnenswert.