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RABENVÖGEL

Raben
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Wussten Sie eigentlich, dass die Rabenvögel zu den intelligentesten Tieren der Welt gehören und unserer Erfahrung nach den Menschen in ihrem Sozialverhalten und einigen Wesenszügen sehr ähnlich sind? Wer einmal nähere Erfahrung mit diesen Tieren gemacht hat, wird dies nie vergessen. Einige haben sogar ganze Bücher darüber geschrieben. Die faszinierend beschriebenen Erlebnisse ähneln sich und finden sich auch in unseren Geschichten wieder.Sogar in den Mythen der alten Germanen gibt es zwei Rabengefährten von Göttervater Odin mit den Namen Hugin (Gedanke) und Munin (Gedächtnis), welche täglich in die Welt flogen und abends Bericht erstatteten. Dabei blieb den beiden Vögeln nichts verborgen, und Odin war damit bestens über die Vorgänge in der Welt informiert. Bei einigen indianischen Kulturen geht die Verehrung der Raben allerdings noch deutlich weiter. Hier wird dem Raben als höchste Gottheit sogar die Erschaffung der Welt unterstellt, aber auch vom Schalk im Nacken sowie einer gewissen Boshaftigkeit, gepaart mit Schadenfreudewird in den Geschichten zum Beispiel Folgendes erzählt:

Als der Rabe die Welt erschuf, flossen die Flüsse noch in beide Richtungen. Dies empfand der Rabe aber als zu leicht für die Menschen und um diese zu ärgern, ließ er die Flüsse nur noch in eine Richtung fließen und erschuf zusätzlich die Mücken, damit diese den Menschen piesackten. Fakt ist allerdings, dass die Rabenvögel mit ihrer Flugwendigkeit, ihrer Neugier, ihrer Cleverness, ihrer Allesfresserei und ihrer Anpassungsfähigkeit den großen Greifvögeln in ihrer Überlebensfähigkeit sowie in der weltweiten Verbreitung deutlich überlegen sind. Sie jagen manchmal sogar den Greifvögeln im Flug die Beute ab oder ein Rabenvogel zupft den fressenden Greifvogel am Schwanz und ein zweiter stiehlt ihm die Beute, während der sich umdreht, um den Störenfried von hinten abzuwehren.

Wenn man vorhat, einem großen Wettbewerber mit Cleverness und der Schnelligkeit und Wendigkeit des Kleineren einige Marktanteile abzunehmen, was liegt da näher, als diesen Vogel ins Firmenlogo zu übernehmen?


Soweit zur Theorie, denn das wussten die Firmengründer aus Büchern und Besuchen im Zoo. Lebendig wurde dann das Firmenlogo, als 1994 der Auszubildende eine aus dem Nest gefallene Rabenkrähe zur Aufzucht in die Firma brachte. Wir tauften den Vogel auf den Namen „Rohloff“. Nun erlebten wir ebenfalls bücherfüllende Geschichten und hatten so viel Spaß, dass wir seitdem regelmäßig alle aus dem Nest gefallenen Rabenkinder aus dem Raum Kassel bei uns aufziehen. Allerdings sind diese Freundschaften nur auf die Zeit von Mitte/Ende Mai - zu dieser Zeit fallen sie aus dem Nest - bis Oktober/November angelegt. Dann schließen sich auch unsere Jugendlichen einer Junggesellenbande an, mit der sie ein bis drei Jahre umherziehen. Dort finden sie ihren Lebenspartner, mit dem sie Synchronflug üben.

In dieser Beziehung sind die Raben klüger als die Menschen. Erst wenn der Synchronflug perfekt funktioniert, wird ein Revier gesucht und ein Nest gebaut. Rabenvögel bleiben ein Leben lang mit einem Partner zusammen und sind alles andere als das, was wir unter Rabeneltern verstehen. Sie betreiben eine sehr lange und intensive Brutpflege. Bis zum Spätherbst/Winter bleiben die Jungen bei den Eltern, da ihnen das meiste Können nicht angeboren ist, sondern sie extrem viel durch Spielen und Nachahmen lernen müssen.

Dies zeigt schon, welche besondere Aufgabe menschliche Rabeneltern haben. Dies geht so weit, dass man Flugbewegungen machend vor ihnen herläuft, um ihnen das Fliegen beizubringen. Aber zurück zur unserer ersten Rabenkrähe. Rohloff wuchs in unserer Kettenproduktion im idyllischen Hinterhof der Mönchebergstraße 30 in Kassel auf. Nachts schlief er in einer Volière im Hof und saß tagsüber, solange er noch nicht fliegen konnte, auf dem Bügel des Radiorekorders, welcher auf dem Kettenablängtisch stand. Mit dieser Nähe wurde Rohloff ein Dazugehöriger, der mit seiner Neugier alles untersuchte und studierte, was ihm vor den Schnabel kam. Dabei wollte er alles für sich haben, was uns wichtig war (eine menschliche Eigenschaft?). In vielen Geschichten (z.B. Diebische Elster) wird den Rabenvögeln unterstellt, sie würden gern glänzende Sachen wie Schmuck und Geld stehlen. Dies stimmt unserer Erfahrung nach so nicht. Es geht viel mehr um die Dinge, die den Menschen wichtig sind. Die hohe Bedeutung einer Sache erkennt der Rabe intuitiv und schnell. So war es bei uns die Briefpost, Zigaretten, Streichhölzer, Zigarettenblättchen oder die mit viel Aufwand erstellten kleinen Ersatzteile der Kettenmaschine. Hingegen Kettenteile oder andere glänzende Metallteile, die reichlich vorhanden waren, wurden gar nicht beachtet. Aber alles, was Rohloff interessierte, musste jetzt diebstahlsicher verwahrt werden. Sein Wunsch Briefe zu öffnen, um zu sehen, was darin ist, war allerdings so groß, dass er die Briefe schon dem Briefträger auf dem Hof aus der Hand stahl. Seine Liebe zu Zigaretten verursachte regelmäßig einen Schrecken, wenn er mit der brennenden Zigarette, die er aus dem Aschenbecher geklaut hatte, davonflog.

Rohloff wurde schnell ein besonders geliebter und gehasster Mitbewohner der Mönchebergstraße. Morgens wurde seine Volière geöffnet und er vollzog als sofort eine Kaskade übermütiger Flugmanöver, die auf der Straßenlaterne endeten. Zum Ärger der arbeitslosen, lang schlafenden Familie hinter dem Fenster, vor welchem die Laterne stand, begann jetzt ein Krachkonzert, solange bis im vierten Stock das Fenster unserer Wohnung aufging und er rein gelassen wurde. Jetzt war nichts mehr sicher vor ihm, alles wurde untersucht, was eingepackt war, musste geöffnet werden. Es könnte ja etwas Wichtiges darin sein. Danach ging es in den Hinterhof in die Kettenproduktion. Gegen 9 Uhr rief die Oma von schräg gegenüber zum Frühstück. Rohloff saß dann brav bei Oma am Küchentisch auf der Stuhllehne und bekam seine morgendlichen Leckereien. Weiter ging es dann zum nahe gelegenen Kindergarten. Hier liebte er es, mit den Kindern Fangen zu spielen oder die eine oder andere Süßigkeiten zu stibitzen. Gegen Mittag gesellte er sich dann zu den Gästen der ansässigen Pizzeria. Auch hier bekam er seine Leckereien oder ärgerte das Servicepersonal, indem er bei Reparaturarbeiten das Werkzeug klaute. Pünktlich nachmittags um 4 Uhr war er wieder zu Hause und saß dann mit am Pausentisch in der Feierabendrunde. Nachts ging es wieder in die mardersichere Volière. Unser Rohloff liebte es im Auto spazieren zu fahren, war auf den Fachmessen in Köln und Friedrichshafen mit auf unserem Messestand, spielte mit uns oder dem Nachbarshund Fangen und bewachte unseren Hinterhof und die Firma wie ein Wachhund. Jeder Fremde in seinem Revier wurde angegriffen. Zeigte dieser Angst, wurde er weiter gepiesackt. Zeigte sich der Angegriffene aber unbeeindruckt, wurde er in Ruhe gelassen. So verließ nicht selten ein Vertretungsbriefträger hilfeschreiend den Hof. Eine gewisse Boshaftigkeit, Rachsucht und Hinterhältigkeit gepaart mit Schadenfreude gibt ihrem Wesen menschliche Charakterzüge. Wie schon gesagt, die Geschichten sind bücherfüllend und können hier nicht alle erzählt werden. Eine Anekdote jedoch noch: Eine Bewohnerin unseres Hinterhofes litt an einer Schmutzfobie. Als Rohloff einmal auf ihrem auf dem Balkon stehenden Wäscheständer landete, versuchte sie ihn mit einem Besen zu verjagen. Von diesem Tag an besuchte er zum Schreck der armen Frau ihre Wäsche mit besonders schmutzigen Füßen regelmäßig, während die Wäsche andere Leute in Ruhe gelassen wurde. Häufig kam die Frau nun heulend und klagend auf unseren Hof gelaufen, um sich bitterlich zu beschweren. Dabei kam der Vogel unmittelbar hinterhergeflogen, setzte sich über uns auf die Dachrinne und schaute dem Spektakel mit scheinbarer Schadenfreude zu. In den weiteren Jahren zogen wir mehrere Rabenvögel zusammen auf und konnten feststellen, dass jeder eine eigene Persönlichkeit entwickelte. Da gab es die Klugen und die Dummen, die Geschickten und die Tolpatschigen, die Mutigen und die Feigen. Bei der Beobachtung größerer Gruppen erkennt man schnell auch sehr menschliche Verhaltensweisen. Einige wenige Raben einer Gruppe sind sehr mutig und trotz einer gewissen Vorsicht schnell dabei, ausgelegtes Futter von einem neuen Futterplatz wegzuholen. Die meisten Rabenvögel der Gruppe bleiben in gehörigem Abstand und trauen sich nicht, selbst etwas von dem Futter zu nehmen. Hat aber einer der Mutigen einen Brocken im Schnabel, so fliegt eine Meute der Feiglinge hinter dem Mutigen her, um ihm das Futterstückchen abzujagen.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind und mehr über Raben erfahren möchten, haben wir ein Literaturverzeichnis beigefügt (so hat es bei uns auch angefangen). Und wenn Ihnen bei Ihrer Radtour ein Rabenvogel begegnet, dann dürfen Sie diesen gerne Rohloff rufen. Vielleicht ist es ja einer von den gut 30 Rabenvögeln mit dem Namen Rohloff, die bei uns bis heute groß geworden sind.
 

Weitere Infos im Netz:

Rabentöne

Wikipedia

Hans Huckebein, der Unglücksrabe

Literaturverzeichnis

Die Seele der Raben, Bernd Heinrich, Listverlag; ISBN 3471-77887-X
Rabenschwarze Intelligenz, Josef H. Reichholf, Herbigverlag; ISBN 978-3-7766-2600-1
Mein Freund der große schwarze Vogel, Hans-J.Pauli, Verlag Börner PR; ISBN 3-930675-05-6
Der Kolkrabe, Gertrude Drack, Verlag Admiral; ISBN 80-900697-0-3
Die fidelen Rabentaler, Gertrude Drack, Verlag Admiral; ISBN 80-900697-3-8
Rabenbande, Gertrude Drack, Verlag Denkmayr; ISBN 3-902488-30-1
Der Rabe, Bodo W. Klös, Galerie und Edition Noir; ISBN 3-9805890-0-5
Der Rabe Kork, Otto Boris, Martin Kettler Verlag 1974
Hans Huckebein, Wilhelm Busch, Unipartverlag GmbH; ISBN 3-8122-7901-1