Umbaudoku Riese & Müller Carrie von Enviolo auf Rohloff Speedhub
Das Umbauprojekt wurde von zwei Fahrradbegeisterten durchgeführt, die unterschiedlicher kaum wirken könnten, sich aber perfekt ergänzen.
Das Team:
Harry ist ein ausgebildeter und professioneller Fahrradmechaniker mit langjähriger Erfahrung bei Munich Finest Bicycles. Er verbindet präzises Handwerk mit einer tiefen Leidenschaft fürs Radfahren – sowohl sportlich als auch im Alltag. Für Transporte und tägliche Fahrten setzt er besonders gern auf das Riese & Müller Carrie, das ihm als zuverlässiges Transportrad dient. Mit seiner Routine, seinem Fachwissen und einem geschulten Auge für technische Details bringt er die professionelle Basis in das Projekt ein.
Klaus, von den Beteiligten scherzhaft „der Praktikant bei Rohloff“ genannt, ist ein ambitionierter Schrauber und überzeugter „Nurradler“. Mit radsportlicher Vergangenheit und einer Begeisterung für clevere Techniklösungen ist er seit den frühen 1990er Jahren überzeugter Fan der Rohloff Speedhub. Er gilt als Tüftler, der Dinge gerne hinterfragt und ausprobiert, und bringt neben Erfahrung auch eine unerschütterliche Leidenschaft für das Fahren und Schrauben mit.
Gemeinsam haben Harry und Klaus die besten Voraussetzungen: Professionalität trifft auf Enthusiasmus, Präzision auf Leidenschaft – und beide eint das Ziel, ein gutes Transportrad in ein noch besseres zu verwandeln.
Das Projekt:
Beim Umbauobjekt handelt es sich um ein Riese & Müller Carrie, ein kompaktes und vielseitiges Transportrad. Ab Werk ist es mit einer Enviolo Heavy Duty Nabenschaltung ausgestattet, die einen Übersetzungsbereich von 380 % bietet. Die Primärübersetzung erfolgt über ein 63/24-Zähne-Setup. Damit ist das Rad robust und alltagstauglich, jedoch mit klaren Grenzen bei Effizienz und Entfaltung – ein idealer Kandidat für die geplante Aufrüstung auf die Rohloff Speedhub.
Das Bekenntnis zur Speedhub:
Der Umbau auf die Rohloff Speedhub verfolgt ein klares Ziel: das Riese & Müller Carrie soll nicht nur funktional, sondern technisch auf höchstem Niveau unterwegs sein. Gegenüber der serienmäßigen Enviolo Heavy Duty ergeben sich entscheidende Vorteile:
Statt eines stufenlosen, aber verlustbehafteten Übersetzungsbereichs von 380 % bietet die Speedhub echte 14 Gänge mit einem Gesamtübersetzungsverhältnis von 526 % – präzise, ohne Schlupf und mit der Möglichkeit, bei hohen Geschwindigkeiten eine angenehm niedrige Trittfrequenz zu fahren, ohne Einbußen bei der Bergtauglichkeit hinzunehmen.
Eine deutliche Gewichtsersparnis: mit rund 700 Gramm weniger (1.800 g Speedhub vs. 2.500 g Enviolo) fährt es sich spürbar leichter.
Die Speedhub überzeugt durch ihre kompaktere Bauform und das wertigere Design.
Das Fahrerlebnis wird präziser und direkter: Gangwechsel erfolgen exakt und sofort, statt wie bei der Enviolo gelegentlich „gesucht“ zu werden. Mit 13,6 % Gangsprüngen sind die Abstufungen fein genug, dass der Vorteil einer stufenlosen Schaltung praktisch entfällt.
Der Aus- und Einbau des Hinterrades gestaltet sich mit der Speedhub einfacher.
Nicht zuletzt: Made in Germany – ein Qualitätsmerkmal, das für Langlebigkeit und Zuverlässigkeit steht.
Damit ist der Umbau mehr als ein Tuning: Er ist ein konsequenter Schritt hin zu einem robusten, präzisen und alltagstauglichen Transportrad auf höchstem technischen Niveau.
Der Istzustand:
Seit rund einem Jahr ist das Riese & Müller Carrie im täglichen Ganzjahreseinsatz – ausgestattet mit der Enviolo Heavy Duty Nabenschaltung noch im originalen Auslieferungszustand.
Die Herausforderungen des Umbaus:
Harry und Klaus standen beim Umbau des Carrie vor mehreren technischen Herausforderungen. Beim Einspeichen übernahmen sie die von Riese & Müller vorgegebene Innen- bzw. Kopfaußenspeichung, um den kleinen 20"-Felgendurchmesser korrekt zu berücksichtigen.
Der Geschwindigkeitssensor stellte ein weiteres Problem dar: Der Magnet der Enviolo-Bremsscheibe war auf einer 6-Loch-Scheibe montiert, die Rohloff-Nabe nutzte jedoch eine 4-Loch-Bremsscheibe. Zunächst improvisierten sie, später setzten sie die passende Rohloff-Lösung ein.
Die Schaltzüge mussten komplett ausgetauscht und neu verlegt werden, da die Enviolo rechtsseitig und die Speedhub linksseitig angesteuert wird. Dafür war es nötig, Lenker, Lenkrohr und Lagersitz zu demontieren, um die neuen Züge korrekt im Rahmen zu verlegen.
Auch die Riemenlinie erforderte Anpassung. Da der passende Spider nur von Riese & Müller verfügbar wäre, montierten sie die vordere Riemenscheibe auf die andere Seite des Spiders und erreichten so 54,75 mm – ein minimaler Versatz von 0,25 mm, der vom Gates-Riemen problemlos toleriert wird.
Schließlich erwies sich der Hinterbau des Carrie als enger als vorgesehen. Dadurch stand der Rahmen unter Spannung, und das Einsetzen des Hinterrades erforderte erheblichen Kraftaufwand, was die Montage erschwerte.
Überraschend unkompliziert:
Entgegen anfänglicher Befürchtungen erwies sich die Riemenlänge als problemlos: Beim Wechsel von der 24-Zähne- auf die 22-Zähne-Riemenscheibe hinten war kein kürzerer Riemen erforderlich.
Das Fazit:
Für Harry und Klaus war der Umbau des Riese & Müller Carrie ein spannendes und lohnendes Projekt, das handwerkliches Können und technische Kreativität gleichermaßen gefordert hat. Die gesteckten Ziele – insbesondere die Vorteile der Rohloff Speedhub in Bezug auf Übersetzungsbereich, Präzision und Fahrkomfort – konnten vollständig erreicht werden.
Mit einer Umbauzeit von etwa fünf Stunden zu zweit richtet sich dieses Vorhaben eher an engagierte Fahrradenthusiasten als an den Alltagskunden. Würde man die üblichen Werkstattsätze zugrunde legen, würden die reinen Arbeitskosten bei über 700 € liegen; hinzu kommen Materialkosten von rund 1.500 € für die Speedhub, die Bremsscheibe und die Gates-Riemenscheibe.
Alles in allem zeigt das Projekt: Mit Erfahrung, Geduld und dem richtigen Know-how lässt sich aus einem bereits hervorragenden Transportrad ein technisch noch leistungsfähigeres, präzises und langlebiges Fahrrad schaffen – ein Ergebnis, das sowohl in der Praxis als auch aus Schraubersicht überzeugt.
Der ambitionierte Nutzer Harry rechts und der Praktikant links im Bild mit dem Objekt der Begierde und das Rad vor dem Umbau
Erste Beurteilung und Sichtprüfung der Riemenlinie und Außenmontage der Riemenscheibe vorn am Spider zur Korrektur auf 54,75mm Riemenlinie











