Swiss handmade: Wie ein Unternehmen Velos in der Schweiz lötet, montiert und lackiert
Die Aarios AG ist der letzte Schweizer Fahrradfabrikant, der Rahmen noch selbst lötet. Anlässlich der Aktion «Bike to work» besuchte das Institut für Geistiges Eigentum die «Fabrik für handgebaute Fahrräder» und schaute Ex-Geschäftsführer Arnold Ramel bei der Arbeit zu. Obwohl die Firma längst in der nächsten Generation ist, arbeitet Ramel noch täglich mit.
Im 20. Jahrhundert war die Schweiz eine Hochburg der Veloindustrie. Gegen Ende des Jahrhunderts brachten negative Entwicklungen einen Einbruch – heute werden die meisten Fahrräder im Ausland produziert oder in der Schweiz nur noch mit ausländischen Komponenten montiert.
Die 1930 gegründete Aarios AG in Gretzenbach (SO) ist die letzte Schweizer Velofabrik, die Rahmen noch selbst aus Stahl lötet. Gründername und Standort erinnern an Aarau. Stahl gilt für Ex-Geschäftsführer Arnold Ramel als dynamisch, robust und stoßdämpfend – und kann sehr leicht sein: Das leichteste Rennvelo wiegt nur 7 kg. Aarios fertigt Renn-, Reise-, Touren- und Old-School-Räder.
Bei der Aarios AG wird jedes Fahrrad nach Beratung individuell gefertigt und komplett vor Ort montiert. 14 Standard- und 14 Sondergrößen decken Körpergrößen von 1,10 bis 2,17 m ab. Die Rahmen werden gelötet, gesäubert, eisenphosphatiert, pulverbeschichtet und in 70 Farben lackiert. Speichen werden von Hand eingesetzt, danach folgen Sattel, Schaltung und Lenker. Rund ein Dutzend Mitarbeitende arbeiten flexibel zwischen Produktion und Administration.
Seit der Übernahme 1974 musste Arnold Ramel zahlreiche Herausforderungen meistern. Die Fahrradbranche erfordere viel Durchhaltevermögen. So scheiterte der E-Bike-Bau, als der Schweizer Motorlieferant das Modell einstellte – ein Beispiel für die weitgehende Verlagerung der Komponentenproduktion ins Ausland. Ramel sucht weiter nach Lösungen, betont jedoch: Überleben könne man nur, wenn man gut ist, nicht unbedingt modern.
Zum 50-jährigen Jubiläum betont Arnold Ramel, dass «Swiss handmade by Aarios» für hochwertige, individuelle und langlebige Räder steht. Ziel sind fehlerfreie, ehrliche Produkte mit einer Lebensdauer von rund 25 Jahren, deren Stahl vollständig recycelbar ist. Präzision und Qualität haben höchsten Stellenwert – jedes Fahrrad wird von Ramel, 78, persönlich geprüft, bevor es die Fabrik verlässt.
Obwohl nur 5–10 % der Schweizer als potenzielle Kunden gelten, glaubt Arnold Ramel, dass «Swissness» bei Velos an Bedeutung gewinnt. Er setzt weiterhin auf hochwertige, in der Schweiz gefertigte Fahrräder ohne Motor. Jüngst bemerkt er einen Trend: E-Bike-Besitzer wünschen sich wieder individuell gebaute, hochwertige Räder für reinen Fahrspaß.
Arnold Ramel, ehemaliger Geschäftsführer der Aarios AG, präsentiert sein handmontiertes, 7kg schweres Rennvelo (Copyright IGE)
Schweizerkreuz drauf, Schweiz drin: Die Fahrräder der Aarios AG sind auf dem Rahmen mit dem Schweizerkreuz dekoriert (Copyright IGE)
Marken aus Blütezeit der Schweizer Veloproduktion: Marken des 1930 in Aarau als «Aarios-Fahrradwerk» gegründeten Unternehmens, der heutigen Aarios AG





